Der Platz am Rand
Sie sitzt nicht zwischen ihnen.
Auch nicht ihnen gegenüber.
Der Stuhl steht ein wenig abseits, so, als sei er später dazugestellt worden.
Während die beiden sprechen, hört sie zu.
Nickt manchmal.
Manchmal auch nicht.
„Das habe ich von Anfang an gesagt“, sagt er und lehnt sich vor.
„So war das nie gemeint“, entgegnet sie sofort.
Ein bekanntes Muster.
Der Ton wird schneller.
Die Dritte räuspert sich.
Nicht laut.
Gerade genug.
„Darf ich kurz etwas einwerfen?“
Niemand hat sie gebeten.
Niemand widerspricht.
„Ich kenne euch beide gut“, sagt sie.
„Und ich glaube, ihr redet aneinander vorbei.“
Ein Satz wie ein Stein.
Nicht schwer – aber gesetzt.
Er lehnt sich zurück.
Sie zieht die Schultern hoch.
„Ich wollte nur helfen“, fügt die Dritte hinzu.
Ein Lächeln.
Zu früh.
Der Raum verändert sich.
Nicht sichtbar – aber spürbar.
Was eben noch zwischen zwei Stimmen lag,
ordnet sich neu um eine dritte.
Später wird man sagen, sie habe vermitteln wollen.
Im Moment selbst wirkt etwas anderes:
Der Konflikt hat jetzt einen Platz mehr.